Mit allen Sinnen
von Redaktion am 1. April 2021 16:34 Uhr Kinder -  Lesezeit 3 min

Von Thomas Felder

Kreis Soest – Christen sollen für ihre Mitmenschen vieles sein: Mutmacher (gerade in Corona-Zeiten), Helfer, geduldige Zuhörer. Aber auch ein Wohlgeruch, also ein Duft? Klingt wie ein Werbeslogan der Parfümindustrie. Ist aber eine fast 2000 Jahre alte Feststellung. Formuliert hat sie der Apostel Paulus in seinem 2. Brief an die Gemeinde von Korinth in Griechenland. „Denn Christi Wohlgeruch sind wir vor Gott ...“ Was immer Paulus damit genau gemeint hat: Der Geruch gehört offenbar auch zur Religion. Und mit dem Geruch wohl die anderen Sinne: das Sehen, Fühlen, Hören und Schmecken.

Zu sehen gibt es in einer Kirche und beim Gottesdienst einiges. Die oft bunten Kirchenfenster, die Kerzen, die Blumen, die Gewänder der Geistlichen. Dazu die Bilder und die Heiligenfiguren. Der Gottesdienst selbst ist zwar kein Theaterspiel, aber auch er folgt einer bestimmten Regie, die man Liturgie nennt. Wenn eine Pfarrerin oder ein Pfarrer, wenn ein Priester die Menschen segnet, dann ist das auch zu sehen.

Wer eine Kirche betritt, riecht das meist auch. Wenn zum Beispiel Kerzen brennen, dann entsteht ein Geruch, der in den Gotteshäusern wahrnehmbar ist. Im katholischen Gottesdienst kommt immer wieder auch Weihrauch zum Einsatz. Beim Verbrennen verströmt der Weihrauch einen angenehmen Duft, der die Gegenwart Gottes verkündet. Weihrauch stammt aus dem Orient und ist ein Harz.

Besonders ankommen dürfte es im Gottesdienst auf den Hörsinn. Kein Wunder: In den Kirchen hören die Gläubigen das Wort Gottes. Dazu werden Gebete gesprochen und Lieder gesungen – sofern das Singen nicht wegen Corona sehr eingeschränkt werden muss.

Auch das Fühlen, also der Tastsinn, spielt in den Gottesdiensten durchaus eine Rolle. Katholiken tauchen beim Betreten einer Kirche ihre Finger ins Weihwasserbecken und bekreuzigen sich dann – die Kühle selbst der wenigen Wassertropfen ist zu spüren. Bei einer Taufe wird etwas Wasser auf den Kopf des Täuflings, meist ein Baby, gegossen. Natürlich spürt der ganz junge Mensch das – und reagiert darauf manchmal mit etwas Geschrei. Am Aschermittwoch ist es Brauch, dass ein Kreuz aus Asche auf die Stirn gezeichnet wird – als Zeichen der Buße. Auch dieses Auflegen des Aschenkreuzes auf die Stirn ist zu spüren.

Und Schmecken? Ein Religionswissenschaftler hat einmal sinngemäß formuliert, dass das Wesen des Christentums darin besteht, miteinander zu essen. Was er damit wohl meint: Bei einem evangelischen Abendmahlsgottesdienst und bei einer katholischen Eucharistiefeier sind Brot und Wein entscheidende Bestandteile.

In das Geheimnis der Religion eintauchen

Nach evangelischem Verständnis ist Jesus Christus in, mit und unter Brot und Wein gegenwärtig. Nach katholischer Lehre werden Brot und Wein in der Messe verwandelt in Leib und Blut Jesu Christi. Ehe das nun zu kompliziert wird, nur noch dieses: Das Brot und der Wein werden bei einem Gottesdienst gegessen und getrunken. Damit sind sie zu schmecken. Allerdings ist das Brot geschmacklich sehr neutral. Es handelt sich um eine dünne Scheibe aus ungesäuertem Weizen. Der Wein beim Gottesdienst ist meist weiß. Das hat einen praktischen Grund: Weißer Wein hinterlässt keine Flecken, sollte er auf die Tücher tropfen.

Unsere fünf Sinne allein dürften wohl nicht reichen, um das Geheimnis der Religion zu verstehen. Aber sie können dabei hoffentlich behilflich sein.