Vom Rudel in die Familie

von Redaktion am 5. August 2022 14:07 Uhr Kinder -  Lesezeit 3 min

Von Thomas Felder

Der Hund gilt als unser beliebtestes Haustier. Wenn das stimmt stellt sich eine Frage: Warum gibt es einige Redensarten, die wenig schmeichelhaft für den Hund sind? Wenn etwas vor die Hunde geht, dann ist das ziemlich das Gegenteil von erfolgreich sein. Und wenn jemand nicht leben soll wie ein Hund, dann heißt das: Es soll ihr oder ihm nicht so schlecht gehen wie einem Hund. Wo es Widersprüche gibt, da möchte man der Sache auf den Grund gehen. Wie kam der Mensch eigentlich auf den Hund? Vielleicht wird dann auch klar, warum es die Redensarten rund um den Hund gibt.

So viel ist klar: Die gemeinsame Geschichte von Mensch und Hund ist sehr alt. Doch wie alt genau, weiß man gar nicht. Mindestens 14 000 Jahre sagt die Wissenschaft, doch könnten die Anfänge auch schon 100 000 Jahre zurückliegen.

Unser Hund stammt vom Wolf ab, das gilt als gesichert. Ob aber der Mensch auf den Wolf oder der Wolf auf den Menschen aufmerksam wurde – das ist noch offen. Eine Theorie besagt, dass Wölfe von dem profitieren wollten, was Menschen gejagt hatten und dass sich Menschen und Wölfe dabei näher kamen. Es kann aber auch sein, dass Menschen schnell die Qualität von Wölfen bei der Jagd auf Tiere erkannten und dass man sie entsprechend zähmte und einsetzte.

Offenbar haben sich Wölfe und Menschen rasch gut verstanden. Das lag wohl auch daran, dass Menschen und Wölfe in Gruppen leben. Bei Wölfen sind das die Rudel, bei Menschen die Familien. Der Mensch begann mit der so genannten Domestizierung der Wölfe, was bedeutet, dass sie zu Haustieren wurden. Der wissenschaftliche Name für unseren Haushund „canis lupus familiaris“ enthält auch das Wort lupus, was lateinisch ist und Wolf bedeutet.

In einer der ältesten großen Kulturen, in Ägypten, spielte der Hund eine große Rolle. Anubis hieß jener Gott, der bei der Mumifizierung toter Menschen wichtig war. Dieser Anubis sah aus wie ein Hund. Die alten Römer schätzten offenbar die Dienste des Hundes, wenn es darum ging, das Haus und dessen Bewohner zu schützen. Berühmt ist ein Mosaik aus dem alten Pompeji, jener Stadt im heutigen Italien, die im Jahr 79 beim Ausbruch des Vulkans Vesuv zerstört wurde. Das Mosaik zeigt einen Hund und dazu die beiden Worte: „Cave canem!“ – „Hüte dich vor dem Hund“ – denn der könnte dich beißen.

Das stark vom christlichen Glaube geprägte Mittelalter hatte ein manchmal gespaltenes Verhältnis zum Hund. Als Begleiter bei der Jagd oder als Beschützer von Haus und Hof war der Hund beliebt. Doch gab es auch die andere Seite: das Hundetragen als Strafe. Menschen, die in einem Gebiet den Frieden verletzt hatten, mussten erst Hunde tragen, bevor sie ihre eigentliche Strafe erhielten. Das sollte sagen: Es wäre für dich besser gewesen, friedlich deinen Geschäften nachzugehen als einen Krieg anzuzetteln. Das Hundetragen galt also als schändlich. Da war man halt auf den Hund gekommen.

Von einem der berühmtesten deutschen Maler, Albrecht Dürer (1471-1528), ist vor allem der so genannte Dürer-Hase bekannt. Dürer hat aber auch einen Windhund gezeichnet. Der Windhund wiederum ist erst richtig berühmt geworden durch einen König, der von 1740 bis 1786 in Preußen regierte. Um diesen seine Windhunde liebenden König namens Friedrich II, den man auch den Großen nennt oder einfach nur den Alten Fritz, soll es in der nächsten Folge gehen. Und darum, welche Rolle der Hund heute spielt.