Von der Kirche zum Wohnhaus
von Redaktion am 4. September 2020 17:55 Uhr Kinder -  Lesezeit 2 min

In einer Kirche werden Gottesdienste gefeiert. Was denn sonst? Manchmal können Kirchen aber auch umfunktioniert werden. So passiert es jetzt mit der evangelischen Martin-Luther-Kirche in Geseke. Dort wohnen und arbeiten vielleicht bald Leute.

Geseke – Wenn man ein Haus besitzt, muss man dafür sorgen, dass alles in Schuss ist. Sonst wird das Haus irgendwann zu einer Ruine. Die Fenster müssen dicht sein, die Heizung muss funktionieren, das Dach muss heile sein und und und. Das nennt man Instandhaltung und die kostet ganz schön viel Geld. Die Evangelische Gemeinde in Geseke zum Beispiel muss fast ihr ganzes Geld für Gebäude ausgeben. So eine Kirchengemeinde hat ja auch einige Gebäude: Kirchen natürlich, Kindergarten und Treffpunkte für die Gemeinde.

Die Martin-Luther-Kirche in Geseke steht seit einer ganzen Weile leer. Die Gläubigen treffen sich schon lange im Bodelschwingh-Haus zu den Gottesdiensten. Trotzdem kostet die Kirche weiter Geld. Deshalb hat sich das Presbyterium dazu entschlossen, die Kirche zu verkaufen. Schweren Herzens. Denn natürlich trennt sich eine Gemeinde nicht leicht von ihrem Gotteshaus.

Die Martin-Luther-Kirche war am Anfang ein Gemeindehaus mit Kirchraum. Vor 87 Jahren, ganz genau am zweiten Advent im Jahr 1933 wurde das Haus eingeweiht. 1962 wurde es zur evangelischen Kirche umgebaut. Und jetzt steht dem Haus wieder eine Veränderung bevor: Die Gemeinde hat die Kirche verkauft. Die neuen Besitzer wollen aus der Kirche wahrscheinlich ein Wohnhaus oder Büros machen. Aber es soll trotzdem erkennbar bleiben, dass das Gebäude mal eine Kirche war.

Für viele Menschen aus der evangelischen Gemeinde in Geseke war die Nachricht vom Verkauf der Kirche ein Schock, manche weinten sogar. Denn viele Menschen verknüpfen Erinnerungen und wichtige Lebensstationen mit der Martin-Luther-Kirche: Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen – schöne Feste gehören genauso dazu wie traurige Abschiede.

Deshalb sollen in den nächsten Wochen alle Gemeindeglieder die Möglichkeit bekommen, sich von ihrer Martin-Luther-Kirche zu verabschieden. Am 3. Oktober wird die Kirche dann entwidmet. Das bedeutet, dass der religiöse Zweck als Gotteshaus und Versammlungsort einer Glaubensgemeinschaft aufgelöst wird. In der evangelischen Kirche heißt das Entwidmung. Das wird mit einem letzten Gottesdienst gefeiert.

Danach kann das Gebäude dann zum Wohnhaus oder zu Büros umfunktioniert werden. jul/halö

Was ist ein Presbyterium?

Eine evangelische Kirchengemeinde wird vom Presbyterium geleitet. Die Mitglieder heißen Presbyterinnen und Presbyter. Sie werden von den Gemeindegliedern gewählt. Auch die Pfarrerin oder der Pfarrer gehört zu dieser Leitungsgruppe. Alle wichtigen Entscheidungen für die Gemeinde trifft das Presbyterium. Dazu gehört auch der Umgang mit dem Geld der Kirchengemeinde, also wie viel Geld ausgegeben wird. Weil in Geseke die Ausgaben für die Gebäude der Gemeinde zu teuer wurden, hat das Presbyterium beschlossen, die Martin-Luther-Kirche zu verkaufen.