Was uns Scherben verraten
von Julika Enders am 26. März 2021 17:40 Uhr Kinder -  Lesezeit 2 min

Archäologie ist schon ein spannender Beruf. Auch wenn man nicht wie Indiana Jones oder Tad Stones in alten Pyramiden von Abenteuer zu Abenteuer stolpert. „Manchmal vergessen wir, dass wir Zeugnisse unserer Vorfahren direkt vor unserer Haustür haben“, sagt Andreas Wunschel. Er ist Archäologe beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Auf dem Geseker Marktplatz hat er sich mit seinen Kollegen tief in die Geschichte der Stadt gegraben.

Geseke – Seit einigen Monaten schon sind Archäologen in Geseke der Geschichte auf der Spur. Sie haben schon einiges gefunden. Jetzt haben sie noch einmal phänomenale Entdeckungen gemacht. Sie haben Scherben gefunden, die schon mehr als 2000 Jahre alt sind. Und eine 900 Jahre alte kleine Münze. Was daran so besonders ist? Solche Funde erzählen uns vom Leben unserer Vorfahren und lassen uns nachvollziehen, wie wir wurden, was wir sind.

„Wir wissen, dass die Kirche in Geseke sehr alt ist“, sagt Andreas Wunschel. Typisch ist die direkte Nähe zum Marktplatz. Solche Plätze bleiben oft über die Jahrhunderte an gleicher Stelle. „Deshalb dachten wir schon, dass wir bis ins Frühmittelalter kommen werden“, erzählt der Archäologe. Die Überraschung war groß, als die Funde sogar noch viel älter waren.

Die Archäologen haben Keramikscherben gefunden. Bei deren Untersuchung kam heraus, dass sie aus der vorrömischen Eisenzeit stammen, etwa 500 bis 100 Jahre vor Christi Geburt. „Das kann man an den speziellen Verzierungen erkennen“, erklärt Andreas Wunschel. Zur Verdeutlichung sagt er: „Das Geschirr bei den Großeltern sieht ja auch meist anders aus als das Geschirr bei den Eltern.“ Auch da kann man typische Merkmale für die jeweilige Zeit finden.

So alte Fundstücke sind etwas sehr Besonderes, weil so alte Spuren oft über die lange Zeit hinweg zerstört sind. „Auf diesem Marktplatz in Geseke haben sich also schon vor über 2000 Jahren Menschen getroffen“, sagt Andreas Wunschel, der von dieser Vorstellung immer wieder fasziniert ist.

Die Münze ist zwar deutlich jünger, gehört aber genauso zu den sehr seltenen Funden. Sie stammt aus dem 11. bis 12. Jahrhundert. Außerdem wurden die alten Fundamente des früheren Rathauses entdeckt. „Von dort aus wurden im Mittelalter wichtige Entscheidungen getroffen, die Geseke zu dem gemacht haben, was es heute ist“, sagt Andreas Wunschel.

Archäologie

„Archäologie ist das Fenster zur Vergangenheit“, sagt Andreas Wunschel. Wörtlich übersetzt bedeutet Archäologie so viel wie „die Lehre von den Altertümern“. Archäologen betrachten die Vergangenheit nicht in Büchern, sondern im Boden. „So können wir herausfinden, wie die Menschen vor hundert, vor tausend Jahren gelebt haben“, erklärt er. Wenn wir mehr darüber wissen, wer wir waren, verstehen wir vielleicht besser, wer wir sind.