Wie die Kuh dem Doktor half
von Redaktion am 28. Mai 2021 17:30 Uhr Kinder -  Lesezeit 3 min

Von Thomas Felder

Wer im Internet nach Informationen zum Thema Pocken sucht, stößt buchstäblich schon in der ersten Zeile auf diese zwei Wörter: „Ausgerottete Infektionskrankheit“. Wenn sich das doch auch irgendwann einmal über Corona sagen ließe, denkt man unwillkürlich. Doch Schluss mit dem Träumen und zurück zur Wirklichkeit: Die Pocken als eine sehr ansteckende und oft tödlich verlaufende Seuche wurde schon vor gut 40 Jahren als besiegt erklärt – von der Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO (für den englischen Namen World Health Organization). Ein Sieg, der nach allgemeiner Ansicht vor allem auf den Erfolg von Impfungen gegen die Pocken zurückzuführen ist.

Noch im 18. Jahrhundert waren die Pocken die vorherrschende Seuche. Ihr fielen allein in Deutschland jährlich bis zu 100 000 Menschen zum Opfer. „Vielleicht war es die größte Seuche aller Zeiten“, heißt es in einem Buch für junge Leserinnen und Leser über große Persönlichkeiten der Geschichte. Übertragen wurden die Pocken durch Pockenviren. Die Übertragung geschah nur von Mensch zu Mensch.

Betroffen waren vor allem Kinder. Auf der Haut bildeten sich stark juckende Pusteln, die nach dem Abheilen Blatternarben hinterließen. Deswegen wurden die Pocken auch Blattern genannt.

Schon früh wurde versucht, das Ausbreiten der Pocken zu verhindern, etwa durch eine bessere Hygiene. Heute verbinden wir den entscheidenden Schritt im Kampf gegen die verheerende Seuche Pocken vor allem mit einem Namen: Edward Jenner. Er war Dorfarzt in England und lebte von 1749 bis 1823. Zu seiner Zeit hatte man bereits beobachtet, dass die von den sehr viel weniger gefährlichen Kuhpocken geheilten Menschen gegen eine Ansteckung mit den Menschenpocken gefeit, also immun waren.

Jenner entschloss sich, im Sommer 1796, den damals erst achtjährigen James Phipps mit Kuhpocken anzustecken und ihn damit künstlich zu immunisieren. Ein paar Wochen später infizierte er den Jungen mit Menschenpocken. Zur großen Erleichterung und Freude aller blieb James Phipps gesund. Heute können wir uns einen solchen Menschenversuch mit einem Kind überhaupt nicht vorstellen.

Inzwischen weiß man, dass Jenner wohl nicht der einzige Entdecker eines Impfstoffes gegen Pocken ist. Andere Mediziner vor oder gleichzeitig mit ihm haben auch geimpft. Aber das soll Jenners Leistung nicht schmälern. In dem bereits zitierten Buch über bedeutende Persönlichkeiten der Geschichte wird der Dorfarzt aus Berkeley als „einer der allergrößten Lebensretter der Weltgeschichte“ gepriesen. Schon 1807 wurde die Schutzimpfung gegen Pocken in Bayern und Hessen eingeführt.

Da der Impfstoff für den mutigen kleinen James Phipps von Kühen stammte, nannte Jenner die Substanz Vaccine, vom lateinischen Wort vacca für Kuh. Die Technik der künstlichen Immunisierung bezeichnete Jenner als Vaccination, vom lateinischen Wort vaccinus, das soviel bedeutet wie „von Kühen stammend“. Das Wort Vaccination bedeutet heute im Englischen ganz allgemein Impfung. In Deutschland sagen wir Vakzination.

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