In eigener Sache: Warum der Patriot nicht die gesamte Corona-Berichterstattung im Netz freischaltet
von Redaktion am 23. März 2020 18:00 Uhr Corona -  Lesezeit 2 min

Seit Beginn der Corona-Krise müssen wir uns täglich mit Vorwürfen auseinandersetzen, die in der Argumentation und Schärfe teilweise so groteske Züge annehmen, dass einem der Atem stockt. Immer geht es um die Frage, warum wir online nicht unsere gesamte Berichterstattung über die Pandemie für alle freischalten, sondern weiterhin auf Bezahlung pochen. Die relativ simple Antwort darauf ist, wir leben davon.

Der Patriot ist ein privates Unternehmen, das Erlöse benötigt, um seine Mitarbeiter und die laufenden Kosten zu bezahlen und am Ende auch Gewinne braucht, um in die Zukunft zu investieren. Wir sind keine staatliche Informationsstelle und auch nicht der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der seine Gebühren übrigens auch nicht aussetzt. Ich habe bisher noch nicht die Forderung vernommen, dass in diesen Zeiten doch die ärztliche Versorgung kostenlos sein müsste, ich habe auch noch nicht davon gehört, dass Forderungen nach kostenlosem Brot und – Entschuldigung, das muss sein – Klopapier laut geworden sind. Die Nachrichten aber, die müssen doch in diesen Zeiten kostenlos sein.

Alle machen sich Sorgen, viele haben große Angst. Dafür haben wir vollstes Verständnis und deshalb auch die wichtigsten lokalen Informationen und Anordnungen der Behörden in Form eines Nachrichtentelegramms freigeschaltet. Ähnliches haben wir auch in der Vergangenheit bei drohenden Gefahren (z.B. bei Unwettern) gemacht. Dies aber vor allem, um eine schnelle Information zum Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten und nicht erst Bezahl- oder Registriervorgänge in Gang setzen zu müssen. Die kurze, schnelle Information ist also gewährleistet. Bei allem Weiteren geht es aber lediglich um ein nachvollziehbar gesteigertes Informationsinteresse. Das wollen wir befriedigen, das ist unser Job. Aber warum kostenlos? Weil das Internet kostenlos sein soll? Weil andere kostenlos berichten? Da sind wir bei grundsätzlichen Fragen und nicht bei der Corona-Krise. Ein nachvollziehbares Argument wäre vielleicht, dass sich jemand nur im Moment informieren und nicht über einen längeren Zeitraum ein Abonnement abschließen möchte. Das muss niemand. Bei uns können auf einfachste Art einzelne Artikel gekauft werden. Wir haben Tagespässe, Wochenpässe, Monatspässe, die sich alle nicht automatisch verlängern. Der Tagespass kostet übrigens lediglich 99 Cent.

Verständnis für den uns entgegenschlagenden Ärger hätte ich auch, wenn wir Corona ausgenutzt hätten und bisher kostenlose Angebote kostenpflichtig gemacht hätten. Aber auch das trifft nicht zu. Wir haben uns bereits vor 20 Jahren für diesen Weg entschieden und damals die ersten Artikel nur für Abonnenten freigeschaltet. Es bleibt ein bisher noch nicht vorgetragenes Argument. Was ist mit denen, die sich informieren wollen, es sich aber nicht leisten können? Bitte melden. Wir werden für die Zeit der Krise unbürokratisch Zugangspässe vergeben. Zum Beispiel für diejenigen, die berechtigt sind, an den Tafeln teilzunehmen oder ein Sozialticket zu erwerben.

Alle anderen sollten bitte einmal überlegen, warum sie sich so aufregen. Hat das etwas mit Corona zu tun oder ist es schlicht der Unmut darüber, im Internet für journalistische Leistungen zu bezahlen? Das hieße nämlich, dass diejenigen, die uns vorwerfen die Corona-Krise auszunutzen, genau das tun.

Von Verleger C. Barnstorf-Laumanns