KREIS
„Forderungen nehmen uns die Luft zum Atmen“

KREIS SOEST - Fan-Post ist es nicht, die der nordrhein-westfälische Agrarminister Johannes Remmel in diesen Wochen von Frauen aus dem Kreis Soest bekommt, die in ihren landwirtschaftlichen Familienbetrieben die Brötchen verdienen. Ausführlich und in wohlgesetzten Worten kritisieren die Bäuerinnen den Grünen-Politiker für seinen Vorstoß im Bundesrat, die so genannte Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung weiter zu verschärfen. In ihren Briefen äußern sich die Absenderinnen entsetzt über die ministeriellen Pläne. Sie fordern Remmel zum Umdenken auf.

„Wir sind nicht gegen Veränderungen“, formulierte Marlies Frank, Bäuerin aus Bad Sassendorf-Heppen, bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag in Möhnesee-Westrich. Es gehe vielmehr um das Tempo der Gesetzes-Änderungen. In der angenehm kühlen Diele des denkmalgeschützten Bauernhofes Dietz machten Marlies Frank, die Gastgeberin und Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes, Margret Dietz, sowie die Bäuerinnen Elisabeth Humpert (Möhnesee), Rita Leßmann-Kind (Soest) und Anne Bühner (Klieve) ihre Position deutlich. Erst zu Jahresbeginn 2013 hatten Bauernhöfe mit Schweinehaltung eine EU-Verordnung umzusetzen, die unter anderem mehr Platz für die Tiere sowie hellere Ställe forderte. „Da mussten viele Betriebe bis an die Grenzen auch ihrer finanziellen Belastbarkeit gehen“, resümierte Rita Leßmann-Kind. Wenn der Minister wenige Monate nach Inkrafttreten der EU-Verordnung nun plane, dass zum Beispiel der Platzbedarf für die Schweine noch einmal um 20 Prozent erweitert werden müsse, könnten viele Betriebe dieses Tempo nicht mehr mithalten.

„Diese Forderungen nehmen uns die Luft zum Atmen“, pflichtete Elisabeth Humpert ihrer Berufskollegin bei. „Wir haben uns entschieden, Briefe zu schreiben, weil Appelle unserer landwirtschaftlichen Verbände ins Leere stoßen“, betonte die Bäuerin aus Soest. Auch auf die Motivation des beruflichen Nachwuchses müssten sich die Pläne des Ministers negativ auswirken. Das Ende vom Lied werde sein, dass es nur noch größere Höfe schafften, das Tempo der gesetzlichen Veränderungen mitzuhalten. Die Familienbetriebe blieben auf der Strecke.

Dabei sei es doch gerade Minister Remmel, der ständig die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft beschwöre, ärgerte sich die Kreisvorsitzende der Landfrauen, Margret Dietz. Und auch in einem weiteren Punkt nahm sie den Grünen-Politiker aufs Korn. Wenn dieser von Bauern mit Schweinehaltung zusätzlich noch einen Sachkundenachweis fordere, sei das ein Affront gegen die landwirtschaftlichen Profis. Die würden sich mit Schweinen bestens auskennen - getreu der Erfahrung, dass es dem Bauern nur gut gehe, wenn das auch für seine Tiere gelte. „Tierschutz hat nicht nur mit Raummaßen oder den Fensterflächen in Ställen zu tun“, betonte die Sprecherin.

Obwohl sie bereits Anfang Juni ihren Brief an den Minister abschickte, hat Margret Dietz bis jetzt nicht einmal eine Eingangsbestätigung erhalten. Geschweige denn eine Antwort auf die Einladung an den Ressortchef, den Hof Dietz doch einmal zu besuchen, um sich ein Bild zu machen. Freilich dürfte es dem Minister schwer fallen, sich für einen bestimmten Betrieb zu entscheiden. Die Einladung zu einem Besuch, illustriert mit einem Foto der jeweiligen Familie, ist in fast allen Briefen der Bäuerinnen enthalten. - fe