Zauber mit Spitzenschuhen
TIPP DER WOCHE
Von: Soraya Dietz am 7. Februar 2026, 08:00 Uhr
Erzieher Jost Heuken sitzt mit zwei Inklusionskindern am Basteltisch.
Geseke – Inklusion ist in der Kita Rabennest Alltag. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und heiß Einschließung. Inklusion heißt, dass Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen berücksichtigt werden und miteinander leben, lernen und arbeiten können. Eben wenn niemand ausgeschlossen ist, sondern alle eingeschlossen sind.
Im Rabennest besuchen neben Erzieher Jost Heuken, der im Rollstuhl sitzt, drei Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen den Kindergarten. Die Räumlichkeiten sind barrierefrei gebaut. Das heißt: Es gibt ebenerdige Ein- und Ausgangsbereiche, Akustikdecken zur Lautstärkeregulierung und ein behindertengerechtes WC. Das hat Griffe an den Toiletten, einen verstellbaren Spiegel und ein extra niedriges Waschbecken, unter das trotzdem noch der Rollstuhl passt.
Jost Heuken ist mittlerweile seit Oktober 2024 in der Kita Rabennest tätig. Besonders ist, dass er selbst als Kind die Einrichtung besucht hat. „Ich fühle mich seit dem ersten Tag an super hier aufgenommen“, erzählt der Erzieher. Auch die Kinder hätten sich schnell daran gewöhnt. „Für sie war es superschnell normal, dass jeden Tag ein Mann mit Rollstuhl kommt“, erinnert sich Heuken.
Mit Hindernissen muss sich Kitakind Marie, die mit nur einem Arm zur Welt kam, täglich befassen. Spielplatzgriffe sind nur an der rechten Seite des Klettergerüstes, zur Bedienung von Seifenspendern braucht es auch eine zweite Hand. Im Kindergarten Rabennest darf sie einfach Kind sein, so wie alle anderen. Beim Basteln erhält sie Unterstützung von einer Erzieherin. „Die Kinder helfen sich aber auch viel gegenseitig,“, berichtet Kita-Leiterin Annika Wehrenberg.
Im Rabennest startet jetzt auch ein Praktikant mit Autismus. Er wird von seiner Integrationskraft begleitet und soll erst mal bis mittags bleiben. Außerdem arbeitet der Kindergarten einmal die Woche mit der Moritz-von-Büren-Förderschule zusammen, die Hörbehinderungen als Schwerpunkt hat. In der Kita sind zwei Kinder, die eine Hörbehinderung haben. Für sie ist der wöchentliche Workshop wichtig.
Es gibt viele Herausforderungen, wenn es um Inklusion geht. Aber die Kita Rabennest ist stolz darauf, körperlich beeinträchtigten Kindern einen normalen Kita-Alltag zu ermöglichen. Auf diese Weise werden Menschen mit Beeinträchtigung sichtbar. Die anderen Kinder lernen, dass es normal ist. Nur so könne es auch gesamtgesellschaftlich anerkannt werden, meint die Leiterin.
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