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Hella-Hauptversammlung: 4,5 Mio. Euro Abfindung für Schäferbarthold 

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1. Mai 2026, 12:39 Uhr

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Lippstadt – Seit zehn Wochen sitzt Peter Laier jetzt am Hella-Steuer, in viele Felder des Autozulieferers hat er sich tief eingearbeitet. Aber bei den über 200 Fragen in der Hauptversammlung, teils spitzfindig bis entnervend, hätten wohl auch erfahrenere Kollegen Hilfe gebraucht.

Knapp zehn (!) Stunden lang ritten vier Frankfurter Rechtsanwälte, augenscheinlich im Auftrag des Minderheitsgesellschafters Elliott, am Donnerstag auf Details herum. Zu Hella als Marke, zum Miteinander mit der Mutter Forvia, zu weniger Wichtigem im Werkstattgeschäft. Laier trug beim virtuellen Treffen routiniert die Antworten vor, während Versammlungsleiter Wolfgang Ziebart dem Team im Hintergrund zwei-, dreimal Zeit verschaffte („wir machen eine Pause“) und sich schließlich hörbar beherrschen musste („weitere Einzelheiten dazu werden wir nicht bekannt geben“). Bis dahin gab es in kunterbunter Reihenfolge Einblicke ...

... zur überraschenden Ablösung von Ex-Hella-Chef Bernard Schäferbarthold.

Ziebart sprach von einer harten Entscheidung: „Manchmal ist das Bessere des Guten Feind.“ Schäferbarthold sei ein ausgewiesener Finanzexperte, habe Hervorragendes geleistet. Aber mit Peter Laier sei plötzlich eine Idealbesetzung verfügbar gewesen; der Ingenieur und TU-Honorar-Prof bringe einen starken Technologie-Blickwinkel, viel Erfahrung (u.a. Conti, Osram) und globales Denken mit. Eine andere Herangehensweise, kein Strategiewechsel. Die Abfindung für Schäferbarthold? Liegt wegen des Vertrags bis Ende 2027 bei knapp 4,5 Millionen Euro. Anders ist’s bei Yves Andres: Von Forvia gekommen, schied der frühere Licht-Verantwortliche im Sommer aus.

… zu Lippstadt.

Aktuell hat Hella am Stammsitz 4600 Mitarbeiter (Vorjahr: 4900). Lippstadt bleibe ein zentraler, bedeutender Standort in der globalen Organisation, so Laier. Indes soll mehr Verantwortung in die Regionen, für mehr Tempo. „Wir können nicht mehr die Mehrheit von Entscheidungen zentral in Lippstadt treffen.“ Die Aussichten erlaubten zudem nicht, Pläne für die mögliche neue Hauptverwaltung zu verfolgen – bei verbesserter Lage würden sie zu gegebener Zeit neu geprüft. Aufgrund des volatilen Markts sei die zukünftige Beschäftigten-Zahl auch in zentralen Funktionen „nicht abschließend definiert“. Zudem: Das Lichtwerk in Lippstadt schrieb vor 2024 lange Verluste, für den Stellenabbau wurden 67 Mio. Euro (Abfindungen) plus 30 Mio. Euro (Altersteilzeit) zurückgestellt. Die jüngsten Maßnahmen hätten die Leistungsfähigkeit schon verbessert. Hella behalte aber Marktanforderungen und Volumen-Abrufe im Blick – um, falls erforderlich, „Personalanpassungen vorzunehmen“. 

… zum Licht-Bereich.

Ist die Einsortierung des Lichts ins „Werte-Cluster“ (statt Wachstum) bei Forvia ein Vorbote von Verkaufsgedanken?  Nun ja, Hella stellte lieber Pläne vor: Man will beim Licht neben Premium- auch Volumenhersteller erreichen und u.a. mit Technologie-Plattformen Innovation bezahlbar machen. Mit steigenden Licht-Umsätzen und -Ergebnissen sei aber erst 2027 zu rechnen. Derweil bringen Spezialteile für Lkw, Busse und Co. zweistellige Margen, für Rüstung seien hier einzelne Projekte umgesetzt worden. Inwiefern es sinnvoll sei, dies auszubauen, werde geprüft. Aber Sparten-Verkäufe? Man überprüfe natürlich regelmäßig das Portfolio, kommentiere aber keine Markt-Gerüchte.

… zur Kooperation mit Forvia.

Gemeinsamer Einkauf, Akquise, vereinheitlichte Datenbanken: Das bringt bislang rund 500 Mio. Euro (und in der Hauptversammlung rund hundert Nachfragen). Es gibt sogar ein X-Lab, das gemeinsame Demonstratoren sowie Markt- und Kundenstudien für Innovationen erstellt. Trotzdem: Hella erinnerte daran, rechtlich selbstständig aufzutreten.

… zur Dividende.

Trotz 202 Fragen: Letztlich stimmten 99,99 Prozent für die Dividende von 22 Cent pro Aktie. Macht 24 Millionen als Ausschüttung, wie gewohnt etwa 30 Prozent des Gewinns. Aber: Die Aktie rauschte vom Allzeithoch 92,60 Euro (Februar 2025) auf zuletzt 70 Euro. Was macht das mit Minderheitsgesellschafter Elliott? Wie würden beim Ausstieg Klein-Aktionäre behandelt? Dieser Aspekt blieb offen. Die Anwälte wollten ja keine Antworten geben, sondern Fragen stellen.