Kinder Aktionstag

Kitz - die Patriot Kinderseite: Im Dschungel der Berufe

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2. Mai 2026, 08:00 Uhr

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Lippstadt – Der Girl´s Day bietet Mädchen seit 25 Jahren die Gelegenheit, Berufe zu erkunden, in denen vor allem Männer arbeiten. Umgekehrt gibt es inzwischen zeitgleich den Boys’ Day, bei dem Jungen in angebliche Frauenberufe hineinschnuppern. 

Der Girls’ Day ist eigentlich nur ein Baustein in der Berufsorientierung, bei Stella Bernard waren es aber gleich mehrere Steine: Die junge Lippstädterin lernte bei der Ini die Arbeit als Maurerin kennen. 

So wie wohl über tausend andere Jugendliche hat die 15-Jährige am Aktionstag einen für Frauen eher untypischen Beruf ausprobiert: Unter der Anleitung von Martin Schramm sollte Stella eine kleine Ecke im Läuferverband mauern. „Sie macht das schon ganz gut“, lobte Schramm. Und die Gymnasiastin fand Spaß an der Aufgabe. Ein Lehrer hatte die Marienschul-Klasse zur Teilnahme am Aktionstag ermutigt, über den Online-Radar war sie selbst auf das Ini-Angebot gestoßen. 

Wenige Meter weiter saßen sechs Jungen bei der gelernten Damenschneiderin Katja Erdelhoff an der Nähmaschine. Aus Stoffresten hatten sich Luca, Abdurahman, Sami und Co. schon bunte Motive herausgesucht, aus denen sie Taschen nähen wollten. Auf Papier wurden die Funktionen der Maschine geübt – und mindestens mal zwei Sachen gelernt: Geschwungene Nähte sind schwieriger, und der schnelle Modus ist super: „Hört sich an wie ein Maschinengewehr!“ Am Ende wollten sie Taschen fürs Handy, i-Pad oder Stifte mit nach Haus nehmen. Und die Erkenntnis, dass man auch beim Schneidern räumliches Vorstellungsvermögen und Planung einbringen kann, etwa als Raumausstatter.

Dass die Jugendlichen mal die Perspektive wechseln und ungeahnte Talente entdecken, findet Ini-Jugendberaterin Heike Bock wichtig: „Selbst wenn es nur für einen Tag ist und vielleicht nicht der spätere Beruf: Man weiß dann zu schätzen, was hinter einem anderen Gewerk für ein Know-how steckt.“

Der Girls’ Day blickt auf eine 25-jährige Tradition zurück. Laut Arbeitsagentur ist er in vielen Werkstätten, Laboren, Büros und Schulen fester Bestandteil. „Dennoch werden wir nicht müde, dieses Thema in die Region zu tragen“, sagt Cornelia Homfeldt von der Arbeitsagentur. Dass es wohl nötig ist, zeigen Zahlen: An der HSHL begann im letzten Semester keine einzige Frau ein Mechatronik-Studium; dafür waren es bei Computervisualistik und Design aber 42 Prozent. Von den gut 150 Dachdecker-Azubis sind gerade einmal sechs Frauen, genauso wie bei über 470 Heizungstechnikern. Unterdessen gibt es aber je 30 angehende Tischlerinnen und Malerinnen.