Reibeplätzchen, Oldtimer und Kartoffelkönig: So feierte Rüthen sein Kartoffelfest
Rüthen – Zwischen Acker, alten Schleppern und dem Duft frisch gebackener Reibeplätzchen ging es beim Kartoffelfest des Heimatvereins Rüthen gewohnt rustikal zu.
Von: Dominik Friedrich  am 14. September 2026, 17:48 Uhr
Auch die Jugend redete mit: Oberstufenschüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums nutzten ihre Pause für einen Besuch an der mobilen Redaktion. Am Stehtisch ging es unter anderem um schlechte Busverbindungen, lokale Nachrichten, Instagram und die Paywall des Patriot. ﹘ Foto: Danzebrink
Rüthen - Ein Wohnmobil. Drei Stehtische. Drei Stunden. Und am Ende ein ganzer Block voller Geschichten. Über kleine Dörfer, denen die Kinder ausgehen. Schüler, die für den Heimweg fast zwei Stunden brauchen. Einen fehlenden Aufzug. Sorgen wegen der AfD.
Aber auch über eine Stadt, in der die Menschen offensichtlich gerne leben. Rüthen hat uns einiges erzählt. Aus vielen Gesprächen sind nun ganz konkrete Rechercheaufträge entstanden. Hier ein Blick auf den ersten Tag unserer Aktionswoche „Demokratie braucht viele Stimmen“, an dem Sarah Bsdurek, Kristina Rückert und Dominik Friedrich spannende Stunden auf dem Parkplatz am Buschkühle-Markt erlebten.
Das Thema des Tages
Marina Dicken aus Hoinkhausen formulierte den härtesten Vorwurf des Vormittags: „Die kleinen Dörfer sterben aus. Das ist wahrscheinlich politisch so gewollt.“ Junge Menschen zögen weg, es gebe immer weniger Kinder. Sogar ein Martinsumzug ist deshalb bereits abgesagt worden. Der Grund liegt für Dicken auf der Hand: Es fehlen in Hoinkhausen ganz einfach Bauplätze. Ähnlich sehe es in Kellinghausen aus, stellt die junge Mutter fest. Das nehmen wir nicht einfach so hin – sondern als Rechercheauftrag mit. Ist es tatsächlich politisch oder planerisch gewollt, dass in den ganz kleinen Rüthener Ortsteilen kein neues Bauland entsteht? Welche Vorgaben gibt es? Was kann die Stadt selbst entscheiden? Wir fragen zeitnah in Verwaltung und Politik nach.
Die Top 3
Bus und Bahn: Vor allem die Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums schilderten uns, wie schwierig Mobilität ohne Auto werden kann. Vincent Stark und Arne Stache etwa haben dreimal wöchentlich bis 16 Uhr Unterricht. Für den Heimweg Richtung Altenmellrich und Mellrich gehe es dann über Belecke und Anröchte samt zweier Umstiege und Helmo – kurz vor 18 Uhr könnten sie so erst zu Hause sein. Auch der 17-jährige Felix Wagner aus Rüthen kennt das Problem. Basketballtraining in Lippstadt, Freunde in Anröchte: Das sei mit dem Bus schon schwierig.
Ärzte und Psychotherapie: Pascal und Jana Kemper lobten zwar die guten Hausärzte vor Ort, Fachärzte seien aber oft weit entfernt. Für einen Hautarzttermin etwa müsse man nach Brilon – ohne Auto eine Herausforderung. Noch drastischer war ein anonymer Hinweis an unserer Pinnwand: Für einen dringend benötigten Psychotherapieplatz sei eine Wartezeit von zweieinhalb Jahren genannt worden. „Bis dahin kann es zu spät sein“, hieß es dazu.
Kein Aufzug im Alten Rathaus: Beate Herrmann machte uns auf ein Problem aufmerksam, das wir bislang nicht auf dem Schirm hatten: Im Alten Rathaus finden Veranstaltungen und Konzerte statt – einen Aufzug gibt es aber nicht. Wer die Treppe nicht bewältigen kann, bleibt außen vor. Auch da fragen wir nach, ob Abhilfe in Sicht ist.
Der Satz des Tages
„Wir müssen mehr miteinander reden.“ Elisabeth Levenig aus Ostereiden brachte damit auf den Punkt, was sie sich für die gesellschaftliche Debatte wünscht. Weniger schlechtreden, mehr miteinander sprechen. Mehr positive Nachrichten wünschte sie sich in diesem Zusammenhang auch von den Medien.
Der Aufreger
„Lass die doch erst mal machen.“ Diesen Satz hört Rüthens Ortsvorsteher Rudolf Fromme nach eigener Aussage immer häufiger, wenn es um die AfD geht. Ihn macht das wütend. Das sei keine Option. So weit dürfe es gar nicht erst kommen.
Der Moment des Tages
Eigentlich waren es zwei. Acht Oberstufenschüler des Gymnasiums kamen in ihrer Pause zu uns – einige sogar zum zweiten Mal, weil beim ersten Besuch die Zeit nicht gereicht hatte. Sie diskutierten über Busverbindungen, ihre Stadt und darüber, wo sie Nachrichten finden. Instagram spielt dabei eine zentrale Rolle, auch der Patriot wird dort wahrgenommen. Die Paywall auf unserer Homepage? Durchaus eine Hürde. Dann wartet man eben manchmal bis nachmittags und liest den Artikel bei den Eltern in der Zeitung. Wir waren beeindruckt von so viel Interesse und konstruktivem Austausch.
Und dann war da Muzaffer Yildiz. 1967 kam er als eines der ersten türkischen Gastarbeiter-Kinder mit seinen Eltern nach Rüthen. Integration sei hier für ihn nie ein Problem gewesen. Eine Nachbarin nahm ihn mit zum Fußball. Heute aber betrachtet er den politischen Rechtsruck mit Sorge. „Das ist mein einziges Problem hier im Land“, sagte er mit Blick auf die AfD. Nationalistisches Gedankengut nehme wieder zu. Yildiz’ Geschichte und diese interessante Gastarbeiter-Perspektive möchten wir demnächst gerne noch ausführlicher erzählen.
Mittendrin statt am Rand
Vielleicht war das der stärkste Gesamteindruck des Vormittags: Rüthen fühlt sich für viele Rüthener nicht nach Randlage an. Sie schätzen Landschaft und Natur, Vereinsangebote, Schulen und lobten die Entwicklung ihrer Stadt. Irmhild Bertram brachte es beim Thema Bildung besonders deutlich zum Ausdruck: Wer Wert auf gute Bildung lege, dem könne sie Rüthen als Wohnort empfehlen.
Und weitere Geschichten liegen schon auf unserem Tisch: Der Pfarrgemeinderat plant gegen Einsamkeit zeitnah einen Friedhofstreff. Der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis will demnächst einen historisch-kritischen Blick auf den sanierten Marktplatz werfen. Dort soll in der kommenden Woche übrigens ein großer alter Baum mit Spezialtechnik versetzt werden. Genau darum geht es in der Aktionswoche: Themen finden, mitnehmen und recherchieren.
Nächste Station
An diesem Dienstag sind die Patriot-Redakteure Dagmar Meschede, Bastian Puls und Dominik Friedrich von 10 bis 13 Uhr in Anröchte vor dem Rewe-Markt.
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